Joseph Beuys

In einem mehrstündigen Nachtgespräch, das ich vor 31 Jahren mit Joseph Beuys führte, sprach dieser mehrmals von seinen „so genannten Kunstwerken“. Als ich schließlich nach der Bedeutung dieses Ausdrucks fragte, erklärte er mir lächelnd: (Zitat sinngemäß nach meiner Erinnerung) „Wissen sie, Herr Gedankenwandler, ich bin ja eigentlich Unternehmer. Da gibt es Menschen, die haben so viel Geld, dass sie gar nicht wissen, wohin damit. Andererseits gibt es Menschen, in denen steckt ein künstlerisches Genie, aber niemand hilft ihnen dabei, dieses zu entfalten. Und da werde ich dann tätig und verteile um. Ich nehme denen etwas, die zuviel haben, und fördere damit diese Genies. – Das ist der Sinn meines Unternehmens  FREIE UNIVERSITÄT. “

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Anton Räderscheidt

Vor 50 Jahren besuchte ich in Köln öfter den Maler Anton Räderscheidt zu Gesprächen über die Kunst und über die Welt. Räderscheidt hatte in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zur Avantgarde der Neuen Sachlichkeit gehört, war als Hersteller „entarteter Kunst“ zuerst in Frankreich und nach seiner Flucht in die Schweiz dort als Deutscher interniert gewesen. Nach dem Krieg wollte er seinen Malstil zunächst nicht der damals modischen abstrakten Kunstrichtung anpassen.

Heiterkeit bestimmte in der Regel unsere Gespräche, und so schlug ich ihm einmal vor, einen Automaten zu konstruieren, der Farben nach dem Zufallsprinzip auf Papier verbreitet. Er könne ja dann die Produkte, die ihm zusagten, auswählen, signieren und als abstrakte Kunst verkaufen.

„Gar nicht so schlecht!“ meinte er lächelnd. „Etwas Ähnliches gibt es schon: Im Malsaal des neuen Kölner Opernhauses legen die Bühnenbildmaler Packpapier auf den Parkettboden, um diesen zu schonen. Einmal im Monat wird dieser Parkettschutz erneuert. Vorher geht einer der Maler mit einem leeren Bilderrahmen durch den Raum und blickt durch ihn hindurch auf den Fußboden. Die Stellen, die ihm irgendwie gefallen, schneidet er aus, klebt sie auf Sperrholz, spannt dieses in einen Rahmen und verkauft diese `Kunstwerke` dann für viel Geld als abstrakte Kunst“.

KunstEis

Wassereis, unbekannter Künstler, ca. 2013

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Wikipediaartikel über Anton Räderscheidt 

Gilbert Kruft : Die drei Magier

 

Von rechts oben strahlt rotes Licht. Der links stehende Magier schaut fasziniert dorthin und wird von dem Licht erfüllt. Der mittlere Magier benötigt den Schein von außen nicht, er sieht das Licht innerlich. Der kleine Magier rechts braucht jemanden, der das Licht sieht und ihm den Lichteindruck vermittelt. Alle drei sind von dem Licht erfüllt.

Gilbert Kruft

Goldschmied war Gilbert Kruft. Seine Werke wurden in vielen Zeitschriften gepriesen. Er konnte gar nicht alle Aufträge annehmen, so begehrt waren seine Kreationen.

Als ich ihn nach langer Zeit wieder einmal in seinem Atelier besuchte, war nichts mehr von Gold und Silber dort zu sehen. Stattdessen stand die lebensgroße Gipsfigur eines Glasbläsers in der Mitte seines Ateliers. Auf meine Frage, was er denn da mache, grinste er: „Ich muss däm Kähl he en Botz ahndunn, dat hät dä Gemeinderot vun Quadrath-Ichendorf bestemmp.“(Ich muss dem Kerl eine Hose anziehen, das hat der Gemeinderat von Quadrath-Ichendorf bestimmt).  Dabei klätschte (warf) er mehrmals Gips gegen die Männlichkeit der nackten Figur.

Weshalb bist Du denn kein Goldschmied mehr?“ fragte ich ihn. „Weißt du, dadurch dass ich unter den Goldschmieden so bekannt geworden bin, bekam ich immer häufiger Besuch von alten Meistern. Viele von denen sind ganz furchtbare Pedanten. Da habe ich einen Schrecken bekommen. So möchte ich im Alter nicht werden“, sagte er und klätschte weiter Gips gegen den Hüftbereich der Figur.

Heute ist Gilbert Scultore in Bologna und fertigt dort in der Kunstgießerei Venturi Arte unter anderem „Schwarzbrot“ (Figuren für exquisite Einrichtungshäuser) und Kunstwerke, so z.B. Statuen der olympischen Götter. Die Glasbläserfigur steht in Quadrath-Ichendorf am Glasbläserbrunnen, unten züchtig bekleidet mit einem turnhosenartigen Gebilde.

 

Internetseite von Gilbert Kruft

Brief von Gilbert Kruft an den Gedankenwandler

Lieber Gedankenwandler.

Dein Brief ueber die „Wahre Kunst“ hat in diesen Tagen mit der Kunstmesse „Artfirst“ hier in Bologna ihre Bestaetigung bekommen. So banal, wie dieses Jahr, war sie noch nie. Das ist keine „Fiera d’Arte“ sondern eine „Fiera d’Etra“ ! „Etra“ ist die Umkehr von „Arte“, dieser Begriff Etra, von mir kreiert, wird hier von Kunstkritikern und Kuenstlern schon haeufig gebraucht und bestaetigt, wie ich gestern bei meinem Messebesuch wieder feststellen konnte und das zu recht.

Es gibt eine interessante Parallele zwischen der heutigen Finanzkrise und der Kunstkrise, die der „Deregulierung“ der wesentlichen Regeln. Die Deregulierung auf dem Finanzsektor wurde in den 80ger Jahren von Reagan und der Tatcher durchgefuehrt, die Deregulierung auf dem Kunstsektor in den 60ger Jahren von Joseph Beuys mit seiner Erfindung der Konzeptkunst.Jeder Mensch ist ein konzeptueller Kuenstler. Es braucht nur den kuenstlerischen Gehirnfurz und seine materielle Andeutung, um dem Betrachter den Gedankenanstoss zu geben, den Kunstfurz, entsprechend seinen geistig-kulturellen Faehigkeiten, selbst als Kunstwerk zu vollenden.

Beuys und Konsorten wollen den Kunstinteressierten nicht mehr mit der eigenen kuenstlerichen Interpretation vergewaltigen, (seine Worte) es langt der konzeptuelle Gedankenanstoss durch eine moeglichst provokative Formulierung, die nicht durch die Regeln der Kunst behindert werden soll. Mit dieser avangardistischen Idee der Konzeptkunst oeffnen sich die Portale zur „Etra“, in der sich jeder Ambizionierte bewegen und ausdruecken kann. Die daraus enstandene aktuelle Kunstkrise beschreibt der vor kurzem verstorbene bedeutende Kunsthistoriker und Kritiker Sir Ernst Gombrich , „Die Kunst liegt im Sterben, aber an Ihrer Stelle gebaeren sich die Kuenstler.“ Ich kann dem nichts hinzufuegen, Er hat recht!

Lieber Gedankenwandler, wenn der Zeitgenosse die in Jahrhunderten gewachsenen Regeln unserer Kultur, sei der Finanz oder der Kunst, dereguliert = annuliert, sehe ich als Zukunft nur noch das Chaos oder die Sinnlosigkeit, da es ohne Regeln keine Kreativitaet geben kann.

Lieber alter Freund, fuer heute langts. Ich fuell mir mein Glas wieder mit dem guten Roten und spuehl mir die Enttaeuchung ueber unsere Zeitgenossen runter.

Jetzt gehts mir wieder besser, mach das Gleiche, bis bald.

Dein Gilles.